KOLUMNE

  

Mit dem Hund unterwegs: Fahrradtour im Wintermantel

von Patrice Krüger

Der Sommer ist da, auch in Deutschland – endlich! Und kaum steigen die Temperaturen, sieht man auch schon die ersten motivierten Hundebesitzer mit Hund und Drahtesel auf große Fahrradtour gehen. Das Herrchen tritt fleißig in die Pedale, und der Hund rennt nebenher... Ein vergnügliches Sportprogramm für beide. Oder?


Um es vorweg zu sagen, liebe Leser: Meine Antwort auf diese These lautet „Oder“.
Wie immer, wenn ich über solche Sachverhalte nachdenke, stelle ich mir die Frage, was die Vorfahren unserer Hunde, die Wölfe, von der Idee, an einem warmen Sommertag neben dem Fahrrad herzurennen, gehalten hätten.
Wölfe sind meist von der Abend- bis Morgendämmerung aktiv. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen können sie im Schutz der Dunkelheit besser jagen, zum anderen bleiben sie dann auch für andere Waldbewohner unentdeckt. Denn Wölfe sind sehr scheue Tiere. Außerdem hat die Dämmerung den Vorteil, dass sie in den warmen Monaten der Hitze nicht ausgesetzt sind. Gerade im Sommer ziehen sich Wölfe in schattigere Gebiete zurück und verschlafen den Tag. Kein Wolf würde freiwillig an heißen Tagen rennen oder stundenlang durch die Gegend ziehen oder gar in der Wärme jagen. Das würde zu viel Energie verbrauchen und die Erfolgsquote wäre auch nicht so hoch. Bei Wölfen ist nun mal alles auf Effektivität ausgelegt. Wie bei unseren Hunden auch, denn wie nun alle wissen, stammt unser Hund ja vom Wolf ab. Viele Gemeinsamkeiten sind bis heute geblieben; eben auch, dass sie Hitze nicht sehr mögen! 


Das Verhalten von Wölfen ist auf Effizienz ausgerichtet: Während der warmen, energiezehrenden Stunden des Tages ruhen sie.
Foto: Harald Busch/pixelio.de

  
Das Fell des Wolfes bzw. unseres Hundes ist auch im Sommer sehr dicht und schützt ihn. Deshalb denken Sie bitte daran, dass unsere Hunde eben keinen großen Spaß daran haben, in der Mittagshitze große Ausflüge zu machen oder am Fahrrad zu laufen! Ein Hund hätte in den kühleren Monaten des Jahres wesentlich mehr Spaß daran als im heißen Sommer.

Trotzdem sehe ich immer wieder Menschen, die ihre Hunde an Halsband und Leine am Fahrrad mitführen, und wenn ich mir viele dieser Hunde ansehe, scheinen diese auch schon länger unterwegs zu sein. Den Hundehaltern ist offensichtlich nicht bewusst, dass sie die Loyalität ihres Hundes ausnutzen. Denn dieser kommt nur mit ihnen mit, weil für ihn das Rudel das Wichtigste ist. Nicht, weil er Fahrradfahren toll findet! Das verwechseln Herrchen oder Frauchen oftmals: Sie können sich kurze Sachen anziehen und haben zudem auch noch die Fähigkeit zu schwitzen. "Waldi", "Rex" und Co können das nicht, und so wird aus der vermeintlich spaßigen Radtour schnell ein Alptraum für den Hund – vor allem, wenn die Radtour dann auch noch die für den Radler bequem geteerten Straßen entlangführt und sich der Asphalt in der Sonne schon so richtig aufgeheizt hat! 

Ich persönlich empfehle jedem, der Zweifel an meiner Darstellung hat, einen kleinen Selbsttest: Machen Sie sich doch mal den "Spaß" und schnappen Sie sich an einem warmen Tag ein Fahrrad. Fahren Sie los - vergessen Sie aber bitte nicht den Wintermantel, den sie sich vorher überziehen sollten, damit sie das gleiche Gefühl haben wie ein Hund. Am besten fahren sie dann noch quer durch die Stadt. Sie werden merken, dass auch das Wasser, das sie für sich mitgenommen haben, ihnen nicht wirklich helfen wird, diesen Ausflug zu genießen.

Mein Hund "Ice" genießt vor allem an den warmen Tagen das
Planschen im Wasser!

Foto: © aktion tier e.V. / Krüger

Mein Tipp:
Wenn Sie Ihrem Hund etwas Gutes tun wollen, lassen sie ihn in den warmen Monaten zur Mittagszeit ruhen und wenn Sie Fahrrad fahren wollen, dann tun Sie dies bitte am Morgen oder am Abend.  An ganz heißen Tagen am besten gar nicht. Gehen sie lieber mit ihm zum Schwimmen! Das können Sie auch mit ihm zusammen machen und ich verspreche Ihnen, sie werden beide daran Spaß haben!
Schwimmen ist nicht nur eine willkommende Abkühlung, sondern
auch gut für die Fitness und die Gelenke Ihres Hundes!
Foto: © aktion tier e.V. / Krüger 
   























Unsere Kolumnistin Patrice Krüger arbeitet bereits seit 12 Jahren für aktion tier – menschen für Tiere e.V. und berät Menschen in Tierschutzfragen sowie zum Thema Hunde- und Katzenerziehung. Zusammen mit der blinden Katze „Emma“, der Schäferhund-Husky-Hündin „Neva“  und dem großen Broholmer-Ridgeback-Rüden „Ice“, den sie einst verhaltensauffällig und aus schwierigen Verhältnissen übernahm, lebt Patrice Krüger heute in Brandenburg. 

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich hoffe sehr, das Ihre Message in Ihrer Kolumne, bei vielen Hundebesitzern ankommt und verstanden wird. Mal sehen ob einige Leser ihre Tipps auch umsetzen und sich zu Herzen nehmen. Denn die Leidtragenden sind unsere treuen Gefährten.
Aber was kann man unternehmen, wenn ein Hund z.B. nicht schwimmen kann?
Wie könnte man dann seinem treuen Gefährten helfen um Kühlung unter dem "Pelzmantel" zu verschaffen? Hätten Sie dazu eventuell Vorschläge oder Tipps?

LG aus Berlin
litwas

aktion tier e.V. hat gesagt…

Hallo litwas,

das Problem, dass der Hund nicht schwimmen kann, kenne ich. Mein Ice konnte es auch nicht. Er war zweieinhalb Jahre alt als er aus dem Tierheim zu mir kam und hatte davor noch nie Wasser gesehen. Am Anfang musste meine Hündin Neva (siehe Foto) ihm immer die Stöckchen aus dem Wasser bringen. Die hatte nach kurzer Zeit aber keine Lust mehr dazu. Sie ist halt eine sehr "aktive" Husky-Schäferhund Dame. ;-) Dann hat Ice es selber versucht, ist aber immer wieder untergegangen. Aber nach ein paar Wochen fing er endlich an mit den Pfoten zu paddeln. Wahrscheinlich hatte er genug Wasser geschluckt.

Jedenfalls kann der Instinkt zum Paddeln wieder geweckt werden. Und wenn nicht, ist es ja eigentlich auch nicht so schlimm... Es reicht ja aus wenn er sich am Ufer abkühlen kann. Meine Hunde liegen manchmal auch nur am Uferrand im flachen Wasser und zerkauen Stöcker.

Viele Grüße

Patrice Krüger

Anonym hat gesagt…

...und bei 35 Grad mit einem Schlittenhundegespann unterwegs sein...ist das ok??? Gesehen in Brandenburgs östlichen Wäldern!!!Ich bin fassungslos, diese Hunde haben mein Mitleid und Bedauern! Und keiner hilft diesen Huskys- KEINER!!!

Anonym hat gesagt…

Wenn Ihnen das aufgefallen ist und das als "Tierquälerei" empfunden haben, warum haben Sie dann nicht selber Initiative ergriffen und einfach gehandelt und evtl. den Huskys geholfen???
Es ist das eine Unrecht zu erkennen und das andere Unrecht zu beseitigen und wirklich zu helfen.


aktion tier - menschen für tiere e.V. hat gesagt…

wir von aktion tier sind jeden tag auf deutschen Straßen unterwegs und sprechen menschen wie den oben beschriebenen huskybesitzer freundlich auf ihr verhalten an, wenn wir sowas sehen. oft macht sich der hundebesitzer einfach zu wenig gedanken über sein verhalten und viele ändern es dann nach einem gespräch auch!

wenn ihr soetwas mitbekommt, helft bitte mit: schaut nicht weg, sondern sprecht den Hundebesitzer einfach mal freundlich darauf an!

Dann wird er euch bestimmt zuhören - und den Hunden bleibt der nächste Trip in der Mittagshitze vielleicht erspart!

VG Sandy

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