Presseartikel zum Fall: Illegale Kaninchen- Massenzucht auf Balkon in Berlin-Lichtenberg

Berliner Kurier, 15. Juni 2011










Bild, 15. Juni 2011










 
 
 
 
 







Berliner Morgenpost, 15. Juni 2011
 


BZ, 15. Juni 2011

Illegale Kaninchen- Massenzucht auf Balkon in Berlin-Lichtenberg beendet

122 Kaninchen beschlagnahmt – Züchter erhält Tierhalteverbot

122 Kaninchen auf einen Balkon gepfercht
Berlin, 14.06.2011. Wo normalerweise Geranien und Liegestühle stehen stapelte Frank S. Kaninchenkäfige. Zuletzt hielt der Hartz 4- Empfänger 122 Kaninchen auf seinem Balkon im 9ten Stock eines Lichtenberger Hochhauses– 47 erwachsene Tiere und 75 Babys. Zustände, die an Massentierhaltung erinnern.

„Teilweise lebten 6 große Kaninchen in einem Käfig, der für maximal 2 Tiere geeignet wäre“, kritisiert Ursula Bauer von aktion tier- Berlin. Die Tiere konnten sich kaum bewegen, hatten weder Rückzugs- noch Beschäftigungsmöglichkeiten. Aufgrund der Enge und frustrierenden Langeweile kam es häufig zu blutigen Beißereien. „Wir haben stark abgemagerte, verfilzte, verletzte und kranke Tiere festgestellt“, berichtet Ursula Bauer, Biologin von aktion tier. Außerdem vermehrten sich die unkastrierten Kaninchen permanent. Am vergangenen Freitag hat aktion tier die völlig aus dem Ruder gelaufene Zucht beim zuständigen Veterinäramt in Lichtenberg angezeigt. Daraufhin hat der Amtstierarzt André Dorn den gesamten Kaninchenbestand beschlagnahmt und durch den amtlichen Tierfang in die Tiersammelstelle bringen lassen. „Kaninchen-Frank“ wurde ein Tierhalteverbot erteilt.

Der 45-jährige Frank S. war in der Vergangenheit schon mehrfach negativ aufgefallen, als er mit seinen Kaninchenbabys auf dem Alexanderplatz oder im Park am Weißensee um Spenden bettelte. Dass die Zur-Schau-Stellung von Tieren mit der Absicht, Geld zu verdienen, ohne Genehmigung verboten ist, war dem erwerbslosen Mann offensichtlich nicht bewusst. Die ständige Vermehrung der Tiere auf seinem Balkon brachte schließlich Massen von Nachkommen hervor, die ernährt und an den Mann gebracht werden mussten. „1 weibliches Kaninchen kann bis zu 30 Jungtiere pro Jahr gebären“, erklärt Ursula Bauer von aktion tier- Berlin. Die etwa 40 weiblichen Kaninchen von Frank S. konnten somit jährlich über 1.000 Nachkommen produzieren. „Unsere überfüllten Tierheime zeigen, dass der Bedarf an Kaninchen gedeckt ist“, meint Ursula Bauer von aktion tier und ergänzt: „Eine derartige Massen- Nachzucht ist mehr als unverantwortlich“. Für den erwerbslosen Elektriker bedeuteten die Babys jedoch eine Einnahmequelle. Er verkaufte die Tiere für 20-30 Euro an privat oder für 6 Euro an Berliner Zoohandlungen.

aktion tier- Mitarbeiter hatten sich mehrmals als potentielle Kaninchenkäufer mit Frank S. getroffen und seine Zucht im Lichtenberger Hochhaus unter die Lupe genommen und dokumentiert. „Vor allem die Käfighaltung der erwachsenen Tiere auf dem Balkon war katastrophal und nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar“, so Ursula Bauer von aktion tier- Berlin.

Die Rechercheergebnisse von aktion tier brachten das Fass nun zum Überlaufen. „Wir freuen uns, dass der zuständige Amtstierarzt Herr Dorn unseren Hinweisen gefolgt ist, sofort alle Kaninchen beschlagnahmt und ein Tierhalteverbot erteilt hat“, sagt Ursula Bauer von aktion tier. Frank S. war zum Glück einsichtig und kooperativ, so dass zwei Mitarbeiter vom amtlichen Tierfang die Kaninchen problemlos abtransportieren konnten.

Wichtiger Hinweis an die Redaktionen: Kaninchen sind keine Hasen und auch keine Nagetiere! Kaninchen gehören zur Familie der Hasenartigen, sind aber mit den Hasen nur verwandt. Im Sinne einer korrekten Berichterstattung bitten wir Sie um Beachtung dieser Fakten.

aktion tier deckt illegale Massenvermehrung in Berlin auf

Hartz-4-Empfängerin betreibt seit Jahren lukrative Perserkatzenzucht


Martina T. hat angeblich von nichts gewusst. Sie blickt die aktion tier- Kontrolleure mit Unschuldsmine an, ihre Augen schwimmen in Tränen. In der geräumigen Spandauer Wohnung tummeln sich derzeit neben einigen Vögeln und 2 Hunden 10 erwachsene Katzen sowie eine unüberschaubare Anzahl an Katzenbabys, die sogar ein eigenes Zimmer besitzen. Ein Teil der Jungtiere hat von Durchfall verklebte Hinterteile, was auf Darmparasiten hindeutet. Kein Wunder, denn bei einem derart großen Katzenbestand verbreiten sich Infektionen und Parasiten mit rasender Geschwindigkeit.

Die erwerbslose Hartz-4-Empfängerin züchtet seit mindestens 5 Jahren mit 8 unkastrierten Katzen und 2 potenten Katern. „Jetzt, zu Beginn des Jahres, haben bereits nachweislich 4 Katzen von Frau T. insgesamt 19 Babys zur Welt gebracht“, sagt Ursula Bauer. Via Internet werden die Tiere als „Knuffige Perserkitten“ für jeweils 250 Euro angeboten. Ein nettes Zubrot. Perserkatzen können 2x pro Jahr durchschnittlich 4 Junge pro Wurf zur Welt bringen. Das wären dann jährlich mindestens 64 Babys und, wenn es gut läuft, 16.000 Euro Einnahmen. Vor allem Perserkater Merlin darf ran. Martina T. biete seine Dienste als Deckkater sogar im Internet an – für 80 Euro pro Deckakt.

Dem zuständigen Jobcenter in Spandau hat die Katzenzüchterin ihre Nebeneinkünfte nicht gemeldet. Das hat aktion tier nun in Form einer Anzeige getan. Dass Martina T. nicht weiß, dass sämtliche Einnahmen meldepflichtig sind, ist kaum zu glauben.

Auch von einer erforderlichen tierschutzrechtlichen Genehmigung will Frau T. noch nie gehört haben. „Gemäß § 11 Tierschutzgesetz ist eine Katzenzucht ab 5 fortpflanzungsfähigen Katzen oder mindestens 5 Würfen pro Jahr gewerbsmäßig und bedarf dann der Erlaubnis der zuständigen Veterinärbehörde“, erläutert Ursula Bauer von aktion tier Berlin. Martina T. besitzt keine Genehmigung – ihre Zucht ist folglich illegal. Diese Ordnungswidrigkeit hat aktion tier nun beim Veterinäramt angezeigt. Leider nicht zum ersten Mal. Bereits im Jahr 2009 hatte der Tierschutzverein die illegale Katzenzucht beim Veterinäramt Neukölln, dem früheren Wohnbezirk von Frau T., gemeldet.

„Wir hoffen nun, dass die Ergebnisse unserer intensiven Recherche auch am neuen Wohnort in Spandau dazu führen, dass sich die Behörden nicht länger täuschen lassen und der rein profitorientierten und noch dazu unfreiwillig staatlich subventionierter Massenzucht von Martina T. endlich ein Ende setzen“, betont Ursula Bauer, Dipl.-Biologin von aktion tier. „Es wäre wirklich frustrierend, wenn wir diesen Fall in einigen Jahren zum dritten Mal zur Anzeige bringen müssten“, so Ursula Bauer abschließend.